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    Die Sommerlaube

    Die Sommerlaube

    Die Laube prangt mit jungem Grün:
    Es tönen ihre dunkeln Buchen
    Von Vögeln, die voll Wollust glühn,
    Von Frühlingstrieben glühn und Scherz und Schatten suchen.

    Soll, was der Wahn Geschäfte nennt,
    Uns um so schöne Zeit betrügen?
    Freund! wer des Lebens Kürze kennt,
    Der legt es klüger an und braucht es zum Vergnügen.

    Genieß` den feuervollen Wein:
    Beym Weine herrscht vertraulich Scherzen.
    Oft labet Amor sich mit ein,
    Und sein verborgner Pfeil schleicht in die offnen Herzen.

    Der schlaue Gott ist niemals weit;
    Ich witt`re seine sanften Triebe:
    Denn grüner Lauben Dunkelheit
    Ist für den Weingott schön, noch schöner für die Liebe.

    Geliebte Schatten! weicher Klee!
    Ach! wäre Galathee zugegen!
    Ach! sollt` ich, holde Galathee,
    Um deinen weissen Hals die Arme brünstig legen!

    Wo süsser Lippen Rosen blühn,
    Wer kann sie sehn und nicht verlangen?
    Die jugendlichen Küsse fliehn
    Bey welkem Reiz vorbey und suchen frische Wangen.

    Ein leblos Auge rührt mich nicht;
    Kein blödes Kind wird mich gewinnen,
    Das reizt, solang der Mund nicht spricht,
    Und eine Venus ist, doch ohne Charitinnen.

    Autor: Johann Peter Uz
    Titel: Die Sommerlaube
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