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    Des Hirten Winterlied (1809)

    Des Hirten Winterlied

    O Winter, schlimmer Winter,
    Wie ist die Welt so klein!
    Du dr`ängst uns all in die Thäler,
    In die engen Hütten hinein.

    Und geh` ich auch vorüber
    An meiner Liebsten Haus,
    Kaum sieht sie mit dem Köpfchen
    Zum kleinen Fenster heraus.

    Und nehm` ich`s Herz in die Hände
    Und geh` hinauf ins Haus,
    Sie sitzt zwischen Vater und Mutter,
    Schaut kaum zu den Äuglein heraus.

    O Sommer, schöner Sommer,
    Wie wird die Welt so weit!
    Je höher man steigt auf die Berge,
    Je weiter sie sich verbreit`t.

    Und stehest du auf dem Felsen,
    Traut Liebchen, ich rufe dir zu.
    Die Halle sagen es weiter,
    Doch Niemand hört es, als du.

    Und halt` ich dich in den Armen
    Auf freien Bergeshöhn:
    Wir sehn in die weiten Lande,
    Und werden doch nicht gesehn.

    Autor: Ludwig Uhland (1787-1862)
    Titel: Des Hirten Winterlied (20. November 1809)
    Uhland Rubrik: Lieder
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