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    Gesang der Nonnen (1806)

    Gesang der Nonnen

    Erhebet euch mit heil`gem Triebe,
    Ihr frommen Schwestern, himmelan
    Und schwebt auf blühnder Wolkenbahn!
    Da leuchtet uns die reinste Sonne,
    Da singen wir in Frühlingswonne
    Ein Lied von dir, du ew`ge Liebe!

    Ob welken alle zarten Blüthen
    Von dem Genuß der ird`schen Gluth:
    Du bist ein ewig Jugendblut
    Und unsrer Busen stäte Fülle,
    Die ewge Flamme, die wir stille
    Um Altar und im Herzen hüten.

    Du stiegest nieder, ew`ge Güte,
    Du lagst, ein lächelnd Himmelskind,
    Im Arm der Jungfrau, süß und lind;
    Sie durft` aus deinen hellen Augen
    Den Glanz der Himmel in sich saugen,
    Bis sie die Glorie umglühte.

    Du hast mit göttlichem Erbarmen
    Am Kreuz die Arme aufgespannt;
    Da ruft der Sturm, da dröhnt das Land:
    „Kommt her, kommt her von allen Orten!
    Ihr Todte, sprengt des Grabes Pforten!
    Er nimmt euch auf mit offnen Armen.”

    O Wunderlieb`, o Liebeswonne!
    Ist diese Zeit ein Schlummer mir,
    So träum` ich sehnlich nur von dir;
    Und ein Erwachen wird es geben,
    Da werd` ich ganz in dich verschweben,
    Ein Gluthstrahl in die große Sonne.

    Autor: Ludwig Uhland
    Titel: Gesang der Nonnen (1806)
    Uhland Rubrik: Lieder
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