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    Des Knaben Berglied (1806)

    Des Knaben Berglied

    Ich bin vom Berg der Hirtenknab,
    Seh` auf die Schlösser all herab;
    Die Sonne strahlt am ersten hier,
    Am längsten weilet sie bei mir;
    Ich bin der Knab vom Berge!

    Hier ist des Stromes Mutterhaus;
    Ich trink` ihn frisch vom Stein heraus;
    Er braust vom Fels in wildem Lauf,
    Ich fang ihn mit den Armen auf;
    Ich bin der Knab vom Berge!

    Der Berg, der ist mein Eigenthum,
    Da ziehn die Stürme ringsherum;
    Und heulen sie von Nord und Süd,
    So überschallt sie doch mein Lied:
    Ich bin der Knab vom Berge.

    Sind Blitz und Donner unter mir,
    So steh` ich hoch im Blauen hier;
    Ich kenne sie und rufe zu:
    Laßt meines Vaters Haus in Ruh!
    Ich bin der Knab vom Berge!

    Und wann die Sturmglock` einst erschallt
    Manch Feuer auf den Bergen wallt,
    Dann steig` ich nieder, tret` ins Glied
    Und schwing` mein Schwert und sing` mein Lied:
    Ich bin der Knab vom Berge!

    Autor: Ludwig Uhland
    Titel: Des Knaben Berglied (1806)
    Uhland Rubrik: Lieder
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