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    Gesang der Jünglinge (1805)

    Gesang der Jünglinge

    Heilig ist die Jugendzeit.
    Treten wir in Tempelhallen,
    Wo in düstrer Einsamkeit
    Dumpf die Tritte wiederschallen!
    Edler Geist des Ernstes soll
    Sich in Jünglingsseelen senken.
    Jede still und andachtsvoll
    Ihrer heil`gen Kraft gedenken.

    Gehn wir ins Gefild hervor,
    Das sich stolz dem Himmel zeiget,
    Der so feierlich empor
    Überm Erdenfrühling steiget!
    Eine Welt voll Fruchtbarkeit
    Wird aus dieser Blüthe brechen.
    Heilig ist die Frühlingszeit,
    Soll an Jünglingsseelen sprechen.

    Fasset die Pokale nur!
    Seht ihr so purpurn blinken
    Blut der üppigen Natur?
    Laßt uns hohen Muthes trinken,
    Daß sich eine Feuerkraft
    Selig in der andern fühle!
    Heilig ist der Rebensaft,
    Ist des Jugendschwungs Gespiele.

    Seht das holde Mädchen hier!
    Sie entfaltet sich im Spiele;
    Eine Welt erblüht in ihr
    Zarter, himmlischer Gefühle.
    Sie gedeiht im Sonnenschein,
    Unsre Kraft in Sturm und Regen.
    Heilig soll das Mädchen sein,
    Denn wir reifen uns entgegen.

    Darum geht in Tempel ein,
    Edeln Ernst in euch zu saugen!
    Stärkt an Frühling euch und Wein,
    Sonnet euch an schönen Augen!
    Jugend, Frühling, Festpokal,
    Mädchen in der holden Blüthe,
    Heilig sein sie allzumal
    Unserem ernsteren Gemüthe!

    Autor: Ludwig Uhland
    Titel: Gesang der Jünglinge (1805)
    Uhland Rubrik: Lieder
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