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    Frühlingsnahen

    Frühlingsnahen (1.)
    Aschermittwoch  —  mit der Asche
    Wird bezeichnet Haupt um Haupt,
    Daß es nicht nach Eitlem hasche
    Und im Tode Leben glaubt.

    Asche hier die Rosenwangen,
    Asche dort die Lielienstirn,
    Ach, wie bald zu Staub vergangen,
    Ruht im Grab das stolze Hirn!

    Aschermittwoch  —  heute haben
    Auf dem Friedhof still und hehr
    Wir ein blühend Kind begraben  —  
    Ach, das Röslein blüht nicht mehr!

    Und wir legten gleich daneben
    Einen Greis im Silberschein:
    Junges Leben, müdes Streben,
    Alles muß in`s Grab hinein!

    Aschermittwoch  —   Alles Asche
    Unter falschem Glanz und Schein;
    Aschermittwoch  —   Alles Asche,
    Wahr des Todes Macht allein!  —  

    Aber wahrer noch das Leben,
    Das  —  dem Kreuze licht entblüht  —  
    Wenn du stirbst dem eitlen Streben,
    Dir am Ostertag erglüht!

    An dem Ostertag der Wonne,
    Wenn dahin des Todes Raub,
    Und des ew`gen Lebens Sonne
    Weckt die Leiber aus dem Staub!

    Aschermittwoch  —  leise Lüfte
    Mahnen an den Frühling schon;
    Aschermittwoch  —  Osterdüfte
    Sprechen Tod und Winter Hohn.


    Frühlingsnahen (2.)
    „Im Februar muß die Lerch` auf die Heid`,
    Ob es ihr lieb sei oder leid!”
    Und wie ich über die Haide ging,
    Die Lerche an zu schlagen fing,
    Und wie sie sang, erblühte just
    Schneeglöcklein, läutend Frühlingslust.

    „Im Februar muß die Lerch` auf die Heid`,
    Ob es ihr lieb sei oder leid!”
    Und wie ich sah in`s bange Herz
    Stieg eine Lerche himmelwärts,
    Und wie sie sang, erblühte just
    Schneeglöcklein, läutend Frühlingslust.

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Frühlingsnahen
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