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    Das Blatt im Wind

    Das Blatt im Wind

    Es wirbelt hastig ein Blatt im Wind,
    Doch wird nicht Ruhe dem Waldeskind,
    Liegt`s still eine Weile, bald fliegt`s in Eile
    Und gleicht dem sehnengeschnellten Pfeile.
    Und war doch das Blatt eine kleine Welt
    Im sprossendem Lenz. den and`ren gesellt;
    Doch hin ist der Farbe heiteres Grün,
    Die schlanke Gestalt, — ach hin — ach hin! —
    Und ist nicht das Blatt ein Bild von dir?
    Die Tage der Freude, der Schönheit Zier,
    Die markige Kraft, der begeisterte Sinn,
    Sie schienen so dauernd und schwanden dahin.
    Die Welt in der Seele, wie ward sie klein,
    Und was dir blieb, ist der Wechsel allein.
    So wirbelt ein Herz, das sein Glück gestellt
    Auf die schwanke Welt, ein Blatt durch`s Feld.
    Und gerade die Freude, die man genossen,
    Macht doppelt traurig, doppelt verdrossen;
    Nur wer auf Ew`ges das Herz gestellt,
    Dem nimmt kein Wind, der lacht der Welt,
    Der bleibt erst jung in dem greisen Haar,
    Stark seine Hand, sein Auge klar,
    Und was die Menschen für Leiden halten
    Wird seine Liebe erst ganz entfalten.

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Das Blatt im Wind
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