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    Abschied vom Walde

    Abschied vom Walde

    Wie liegst du fromm gebreitet,
    Du lichter grüner Wald!
    Im Gras ein Rehlein weidet,
    Der Schlag der Amsel hallt.
    Wie oft hab` ich geschwärmet
    In dir, du duft`ger Tann,
    Und wenn ich mich gehärmet,
    Du warst nicht schuld daran.

    O schau` mit deinen Augen
    Mich nicht so innig an;
    Laß deinen Duft nur hauchen,
    Wie immer du getan;
    Laß deine Wipfel wehen,
    Die stets von Märchen voll  —  
    Ich muß, ach! weitergehen,
    Mein Wald, so lebe wohl!

    O einsam süße Stunden,
    Wo find` ich je euch mehr!
    Von Schmerzen und von Wunden
    Wie ist die Welt so schwer!
    Wo ist des Himmels Auge
    So blau und kindesklar,
    Wie es bei deinem Hauche,
    O Wald, mein lieber, war?

    Der Wald liegt fromm gebreitet,
    Im Grase ruht das Reh;
    Wie meine Seele leidet,
    Da flüstert`s in mein Weh;
    „Ich werde dir schon rauschen,
    Wenn wir geschieden sind,
    Willst du auf mich nur lauschen,
    Mein liebes, liebes Kind!”  —  

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Abschied vom Walde
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