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    Sehnsucht

    Sehnsucht

    Der Sehnsucht denk` ich, die im Wipfelrauschen,
    In Bächleins Murmeln Lösung einst gesucht,
    Und die, wenn Erd` und Himmel Grüße tauschen,
    Zum sternbesäten Himmel trunken lugt;
    O rauscht ihr Wipfel, töricht war mein Lauschen,
    Ihr Drosseln schlagt in dunkelgrüner Schlucht!
    Der Sehnsucht Alphorn zart und wehmutsleise
    Ruft fort von Euch mit wundersamer Weise.

    O Sehnsuchtsglut! in blauen Augen helle,
    Im andern Herzen suchtest du das Wort;
    Doch meinem Durst sprang keine frische Quelle,
    In Weh` und Klagen trieb`s mich wieder fort.
    Es kommt die Nacht, es schießt und rauscht die Welle,
    Ich irre unstät, suche hier und dort;
    Denn was das reichste Herz mir kann gewähren,
    Ein Tropfen ist`s, und mich verlangt`s nach Meeren.

    Nun weiß ich klar, was dunkel ich empfunden,
    Warum mich`s zog zum blauen Sterngefield,
    Warum ich traurig blieb in süßen Stunden,
    Warum mein Herz in stetes Weh` gehüllt;
    O Born der Schönheit, den ich spät gefunden,
    Dem ewig reine Süßigkeit entquillt;
    Wer nicht den einen liebt, den Einzigeinen,
    Der muß in Schmerz vergehn, in Sehnsucht weinen.

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Sehnsucht
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