Sehnsucht
Der Sehnsucht denk` ich, die im Wipfelrauschen,
In Bächleins Murmeln Lösung einst gesucht,
Und die, wenn Erd` und Himmel Grüße tauschen,
Zum sternbesäten Himmel trunken lugt;
O rauscht ihr Wipfel, töricht war mein Lauschen,
Ihr Drosseln schlagt in dunkelgrüner Schlucht!
Der Sehnsucht Alphorn zart und wehmutsleise
Ruft fort von Euch mit wundersamer Weise.
O Sehnsuchtsglut! in blauen Augen helle,
Im andern Herzen suchtest du das Wort;
Doch meinem Durst sprang keine frische Quelle,
In Weh` und Klagen trieb`s mich wieder fort.
Es kommt die Nacht, es schießt und rauscht die Welle,
Ich irre unstät, suche hier und dort;
Denn was das reichste Herz mir kann gewähren,
Ein Tropfen ist`s, und mich verlangt`s nach Meeren.
Nun weiß ich klar, was dunkel ich empfunden,
Warum mich`s zog zum blauen Sterngefield,
Warum ich traurig blieb in süßen Stunden,
Warum mein Herz in stetes Weh` gehüllt;
O Born der Schönheit, den ich spät gefunden,
Dem ewig reine Süßigkeit entquillt;
Wer nicht den einen liebt, den Einzigeinen,
Der muß in Schmerz vergehn, in Sehnsucht weinen.
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