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    Palmsonntag

    Palmsonntag (1.)
    Jubelnd, Palmen in den Händen,
    Palmen streuend auf den Pfad,
    Neuen Frühlings süße Spenden,
    Um den Herrn die Menge nah`t.

    Kinderunsschuld, Männer, Frauen,
    Immer größer wird die Schar,
    Alle auf de Einen schauen,
    Auf den König wunderbar.

    „Hosianna, Tesse`s Rose,
    Fürst der Friedenspalmen schwingt,
    Der aus dunklem Todesschlooße
    Leben neu der Erde bringt!”

    Doch der Herr schaut düster ragen
    Schon des Kreuzes dürren Stamm,
    Sieht sich selbst daran geschlagen
    Als der Sünder Opferlamm

    Was gesündigt war vom Stolze,
    Wird durch Demut nun gebüßt;
    Aus dem dürren Todesholze
    Licht des Lebens Palme sprießt.

    Und die Welt mag Palmen brechen:
    Unschuld, Liebe, Opfersinn!
    Mag in Himmelsfrieden sprechen:
    „Dank, daß ich erlöset bin!”

    Palmsonntag (2.)
    Sanften, warmen Sonnenregen
    Brach´` uns des Palmsonntags Morgen,
    Kinder zieh`n auf allen Wegen,
    Die um grüne Palmen sorgen.

    Reiche Palmen, Liebesspenden,
    Für den Friedensfüst, den hehren,
    Schwingen bald sie in den Händen,
    Und die Scharen stets sich mehren.

    Hosianna! Hörst du`s klingen
    Silberhell aus Kindermunde?
    frommen Gruß die Glocken bringen
    Lieblich drein vom Dorf im Grunde.

    Nun so geh auch du entgegen
    Jubelnd deinem Herrn mit Psalmen,
    Bringt er Frühling doch und Segen;
    Laß Ihm grünen deine Palmen!

    Nun, so tu` Ihm auf die Pforte,
    Wenn er anklopft, einzukehren!
    Heil dem milden Himmelshorte,
    Preis dem Könige der Ehren!

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Palmsonntag
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