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    Ostern

    Ostern (1.)
    Nun vorbei des Grabes Dunkel
    Und der Sünde lange Nacht,
    Ist mit gold`nem Lichtgefunkel
    Schön der Ostertag erwacht.

    Glaubtet ihr dahin die Sonne,
    Weil sie flüchtig sank in Nacht?
    Grab und Erde bebt in Wonne,
    Da der Heiland auferwacht.

    Tod und Leben, ja sie stritten
    Einem wundersamen Streit;
    Doch nun ist es ausgelitten,
    Und das Leid war Herrlichkeit.

    Angstdurchzuckt die Wächter beben,
    Angstdurchzuckt der Juden Wahn,
    Doch ein neues Frühlingsleben
    Hebt von heut` auf Erden an.

    Ist der Gärtner ja erstanden,
    Er, der Himmelsgärtner mild:
    Blumen blüh`n in allen Landen,
    Da der Gnade Bronnen quillt.

    Nicht gebrochen mehr an Grüften
    Steht die Liebe da und klagt,
    Wissend, daß nach Winterlüften
    Uns ein Frühlingsostern tagt.

    Unser Tod   —   ist er nicht Leben,
    kehrte Ostern in uns ein?
    Herr, in allem Sein und Streben
    Soll es Ostern, Ostern sein!


    Ostern (2.)
    Lobt den Herrn, ihr Völker alle,
    Ihr Geschlechter, lobt den Herrn,
    Der aus düst`rer Grabeshalle
    Heut` erstieg als Tagesstern!

    Wessen Leben ist verborgen
    Mit dem Herrn in süßem Leid,
    Juble heut`, am Ostermorgen,
    Denn es kommt auch seine Zeit!

    Seine Zeit, wo Licht verkläret
    Was auf Erden dunkel schien,
    Wo der Frühling ewig währet,
    Wie er`s heute schon für Ihn.

    Auf, die Herzen! Nicht der Erde
    Ist des Menschen bestes Sein,
    Auf, die Herzen, daß uns werde
    Ostermahles gold`ner Wein!

    Lobt den Herrn, ihr Völker alle,
    Ihr Geschlechter, lobt den Herrn,
    Der aus düst`rer Grabeshalle
    Heut` erstieg als Tagesstern!


    Ostern (3.)
    Nimmt nicht jedes Veilchen Teil
    Jede Schlüsselblum` im Grunde,
    Daß gekommen uns das Heil,
    Daß der Herr erstand zur Stunde?

    Grüner prangt das Wiesental,
    Blauer ist der Himmel heute,
    Gold`ner strahlt der Sonnenstrahl,
    Da der Tod des Lebens Beute.

    Und die Frühlingslust so mild
    Und so klar die Frühlingswelle,
    Alles eines Frühlings Bild,
    Denn der Frühling hier zu Schwelle.

    Wo die Geister nicht allein
    Gottbegnadet, Gotteskinder,
    Wo in der Verklärung Schein
    Strahlet die Natur nicht minder.

    Wo, wie Gott es ja gewollt,
    Alles ohne Sünd` und Fehle:
    Darum hat Verklärungsgold
    Heute schon Natur wie Seele.

    Heimweh, aber hoffnungsreich
    künden Lüfte, künden Düfte,
    künden deine Tränen weich,
    Die du weinst am Fuß der Grüfte.

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Ostern
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