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    Allerseelen

    Allerseelen

    Allerseelen ist gekommen,
    hat den Wald sein Laub genommen;
    Leis die Blumen sich entfärben,
    Überall ist Weh und Sterben.
    Nebel brauen
    auf den Höhen und den Auen.

    Allerseelen ist gekommen,
    hat nicht bloß das Laub genommen!
    Glutenaugen, reiche Herzen
    Brachen, ließen uns nur Schmerzen.
    Allerseelen —
    Ach, wie Viele, die uns fehlen!

    Müssen wir das liebste Leben
    Denn dem dunklen Grabe geben?
    Frische Kraft und Rosenwangen,
    Alles eitelsüchtig Prangen;
    Gold und Kronen
    Wird der bitt`re Tod nicht schonen.

    O du stolzes armes Leben,
    Lern` der Demut dich ergeben,
    Findest dann im Tod das Leben,
    Süßen Wein aus bitt`ren Reben;
    Nur dem Stolze
    Kam der Tod von Eden`s Holze.

    Wolltest du dem Tage dienen,
    Mahnt der Tod mit ernsten Mienen:
    Lust der Welt ist bald verflogen,
    Ehr` und Gold wie rasch gezogen;
    Laß dich finden,
    Nichts ist törichter denn Sünden!

    Mach` dir nicht so viele Sorgen!
    Heute lebst du; kommt ein Morgen?
    Nur was Liebe wirkt, ist immer,
    Ewig nur des Himmels Schimmer,
    Wird erheben
    Auch den Leib zu neuem Leben.

    Schau` in`s Auge nur dem Tode,
    Er ist ja nur Gottes Bote,
    Sucht die Kinder ihm auf Erden,
    Daß sie sein und selig werden!
    Allerseelen —
    Ach, wie Viele Gott noch fehlen!

    Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)
    Titel: Allerseelen
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