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    Gesang zu zweien in der Nacht (1825)

    Gesang zu zweien in der Nacht

    Sie. Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift,
    Und klingend jetzt den jungen Hein durchläuft!
    Da noch der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge,
    Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge
    Der reingestimmten Lüfte summt.
    Er. Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen,
    Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift,
    Indes, mit ungewissem Licht gestreift,
    Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.
    Sie. Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal,
    Durchsichtiger und heller aufzuwehen;
    Dazwischen hört man weiche Töne gehen
    Von sel`gen Feen, die im blauen Saal
    Zum Sphärenklang,
    Und fleißig mit Gesang,
    Silberne Spindeln hin und wieder drehn.
    Er. O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt
    Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet,
    Und lustig schwirrender Musik bedienet
    Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt,
    Womit du Stund`um Stunde missest,
    Dich lieblich in dir selbst vergissest -
    Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!

    Autor: Eduard Friedrich Mörike (1804-1875)
    Titel: Gesang zu zweien in der Nacht (1825)
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