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    Auf der Reise (1828)

    Auf der Reise

    Zwischen süßem Schmerz,
    Zwischen dumpfen Wohlbehagen
    Sitz`ich nächtlich in den Reisewagen,
    Lasse mich so weit von dir, mein Herz.
    Weit und immer weiter tragen.

    Schweigend sitz`ich und allein,
    Ich wiege mich in bunten Träumen,
    Das muntre Posthorn klingt darein,
    Es tanzt der liebe Mondenschein
    Nach diesem Ton auf Quellen und auf Bäumen,
    Sogar zu mir durchs enge Fensterlein.

    Ich wünsche mir nun dies und das.
    O könnt`ich jetzo durch ein Zauberglas
    Ins Goldgewebe deines Traumes blicken!
    Vielleicht dann säh`ich wieder mit Entzücken
    Dich in der Laube wohlbekannt.

    Ich sähe Genovevens Hand
    Aufdeiner Schulter traulich liegen,
    Am Ende säh`ich selber mich,
    Halb keck und halb bescheidentlich,
    An deine holde Wange schmiegen.

    Doch nein! wie dürft`ich auch nur hoffen,
    Daß jetzt mein Schatten bei dir sei!
    Ach, stünden deine Träume für mich offen,
    Du winktest wohl auch wachend mich herbei!

    Autor: Eduard Friedrich Mörike (1804-1875)
    Titel: Auf der Reise (1828)
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