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    Veredelt

    Veredelt

    Ich seh` in meinem Garten draußen stehen
    Ein Bäumchen, dem die Zweige abgeschnitten. -
    Es war im Wuchs den andern vorgeschritten
    Und hat voll Stolz auf sie herabgesehen.

    Da schnitt man Zweig um Zweig, daß aus den Wunden
    So manche Träne still die Erde netzte;
    Doch als der Gärtner Edelreis einsetzte,
    Hat er die Wunden wieder mild verbunden.

    Das stolze Haupt des Baumes ist zwar verschwunden.
    Doch bald wird neues Leben ihn durchdringen,
    Und dann wird er auch edle Früchte bringen;
    Denn nicht umsonst schnitt ihm der Gärtner Wunden.

    O Gott! So mit des Schmerzes scharfen Messern
    Hast du mir manches abgeschnitten,
    Was rasch dem Guten wild vorausgeschritten,
    Um mich auch zu veredeln, zu verbessern.

    Nun laß auch mich nicht kahl und ohne Triebe!
    Laß neue Lebenskräfte mich durchdringen,
    Und laß mich einst auch edle Früchte bringen
    Zu deiner Ehr`, du ew`ge Gottesliebe!

    Autor: Karl Friedrich Mezger (1880-1911)
    Titel: Veredelt
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