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    Im Witwenstübchen

    Im Witwenstübchen

    Es sitzet gebückt um den Tisch herum
    Die Witwe mit ihren vier Kindern.
    Sie sitzen beisammen so bleich und stumm -
    Der Mutter Hände, vom Schaffen krumm,
    Können das Elend nicht lindern.

    Sie nähen zusammen für die Fabrik.
    Sie arbeiten rasch um die Wette;
    Denn sind nicht fertig fünfhundert Stück,
    Dann trifft sie heute das üble Geschick;
    Sie müssen hungrig zu Bette.

    Und ob auch die Sonne durchs Fenster lacht
    Und lockt sie zum Singen und Springen -
    Im dumpfen Stübchen die Sorge wacht,
    Vom Morgen früh bis spät in die Nacht
    Die Nadeln und Scheren klingen.

    Sie werden blässer mit jedem Tag.
    Sie ringen und kämpfen vergebens.
    Die Schwindsucht, der einst der Vater erlag,
    Verlöscht, wie der Reif den Blütenhag,
    Zu frühe das Licht ihres Lebens...

    Autor: Karl Friedrich Mezger (1880-1911)
    Titel: Im Witwenstübchen
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