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    Heimweh

    Heimweh

    Oft bin ich jäh vom Schlummer aufgewacht
    Und seltsam wirr vom Lager aufgesprungen,
    Wann Peitschenknallen durch die stille Nacht
    Von ferner Straße an mein Ohr gedrungen.

    Das war das Zeichen, das der Vater gab,
    Wenn uns die heimatlichen Lichter droben
    Entgegenleuchteten; drauf stets im Trab
    Die beiden Braunen freudig heimwärts stoben.

    Die Mutter hörte stets den Peitschenknall
    Des Vaters durch die stille, nächt`ge Ferne;
    Und bis wir kamen, stand sie schon am Stall
    Und grüßte uns mit - leuchtender Laterne.

    Und wenn ich müde dann am Tisch verschlief,
    Trug mich die Mutter nach der Kammer drüben.
    Wie hab ich da empfunden, ach so tief,
    Was Heimat ist und treues, warmes Liebchen!

    Nun aber ist schon längst die Zeit dahin,
    Da ich einst Elternlieb` und Heimat kannte,
    Und einsam muß ich meine Straße ziehn -
    Ein irrer Fremdling durch die fremden Lande!

    Und manchmal bin ich seitdem jäh erwacht
    Und seltsam wirr vom Bette aufgesprungen,
    Weil Peitschenknallen durch die stille Nacht
    Aus weiter Ferne an mein Ohr gedrungen.

    Halbträumend meint` ich stets, ich wäre noch
    Ein Kind und säh` die Heimatlichter wieder.
    Doch ach - ich fühle hart der Fremde Joch!
    Und doppelt schwer drückt mich das Heimweh nieder!

    Autor: Karl Friedrich Mezger (1880-1911)
    Titel: Heimweh
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