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    Großer Sabbat
    ein Gedicht zum Karsamstag
    Großer Sabbat

    Großer Sabbat! Himmelslüfte
    Weh'n vom heilgen Grabe her
    Über unsrer Liebe Grüfte
    Wie ein stilles Friedensmeer.
    Schmückt die Kammern unsrer Toten!
    Laßt das zarte erste Grün
    Und die weißen Frühlingsboten
    Hier in frischen Kränzen blüh'n.

    Ist es doch ein heilig Ahnen,
    Was die Gräber heut bewegt,
    Als ob Engel Wege bahnen,
    Neues Leben, das sich regt.
    Still, nur still! Des Schmerzes Fluten
    Müssen heut in Hoffnung ruh'n;
    Wie die heil'gen Frauen ruhten,
    Laß auch uns am Sabbat ruh'n.

    Frische Gräber, frische Wunden
    Werden heute mild betaut;
    Wenn der Erstling ist gefunden,
    Einem Grabe anvertraut,
    Der die vielbetränten Stätten
    Weiht zum heil'gen Mutterschoß,
    Drin wir unsre Lieben betten,
    Wenn sich müd ihr Auge schloß.

    Erstling aller, die da schlafen!
    Deine heil'ge Grabesruh
    Schließt am Grabe deinen Schafen,
    Allem Leid die Türen zu;
    In des großen Sabbats Schoße
    Ruht die neue Schöpfung still,
    Die der Ostertag der große
    Selig offenbaren will.

    Grabesfriede, tiefes Trösten,
    Hauch aus Jesu Felsengruft
    Weht die Seelen, der Erlösten
    An mit ew'ger Lebenslust.
    Du, der unsern Schmerz getragen,
    Laß mit dir uns schlafen geh'n!
    Gib auch uns nach heißen Tagen
    Sabbatruh' und Aufersteh'n.


    Autor: Meta Heusser-Schweitzer (1797-1876)
    Titel: Großer Sabbat
    eingesandt von: peter e. schumacher (http://www.aphorismen.de/)
    Date: Mon, 22 Mar 2010 11:25:31 +0100

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