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    Der Kranke

    Der Kranke

    Zitternd auf der Berge Säume
    Fällt der Sonne letzter Strahl,
    Eingewiegt in düstre Träume
    Blickt der Kranke in das Tal.
    Sieht der Wolken schnelles Jagen
    Durch das trübe Dämmerlicht –
    Ach des Busens stille Klagen
    Tragen ihn zur Heimat nicht!
    Und mit glänzendem Gefieder
    Zog die Schwalbe durch die Luft,
    Nach der Heimat zog sie wieder,
    Wo ein milder Himmel ruft;
    Und er hört ihr fröouml;hlich Singen,
    Sehnsucht füllt des Armen Blick,
    Ach! er sah sie auf sich schwingen,
    Und sein Kummer bleibt zurück.
    Schöner Fluß mit blauem Spiegel,
    Hörst du seine Klagen nicht?
    Sag es seiner Heimat Hügel,
    Daß des Kranken Busen bricht.
    Aber kalt rauscht er vom Strande
    Und entrollt ins stille Tal,
    Schweiget in der Heimat Lande
    Von des Kranken stiller Qual.
    Und der Arme stützt die Hände
    An das müde, trübe Haupt;
    Eins ist noch, wohin sich wende
    Der, dem aller Trost geraubt;
    & Schl¨auml;gt das blaue Auge wieder
    Mutig auf zum Horizont,
    Immer stieg ja Trost hernieder
    Dorther, wo die Liebe wohnt.
    Und es netzt die blassen Wangen
    Heil'ger Sehnsucht stiller Quell,
    Und es schweigt das Erdverlangen,
    Und das Auge wird ihm hell:
    Nach der ew'gen Heimat Lande
    Strebt sein Sehnen kühn hinauf;
    Sehnsucht sprengt der Erde Bande,
    Psyche schwingt zum Licht sich auf.

    Autor: Wilhelm Hauff (1802-1827)
    Titel: Der Kranke
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