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    Weltseele

    Weltseele

    Verteilet euch nach allen Regionen
    Von diesem heil‘gen Schmaus!
    Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen
    Ins All und füllt es aus!

    Schon schwebet ihr in ungemess‘nen Fernen
    Den sel‘gen Göttertraum,
    Und leuchtet neu, gesellig, unter Sternen
    Im lichtbesäten Raum.

    Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,
    Ins Weit‘ und Weitr‘ hinan.
    Das Labyrinth der Sonnen und Planeten
    Durchschneidet eure Bahn.

    Ihr greifet rasch nach ungeformten Erden
    Und wirket, schöpfrisch jung,
    Daß sie belebt und stets belebter werden,
    Im abgemess‘nen Schwung.

    Und kreisend führt ihr in bewegten Lüften
    Den wandelbaren Flor
    Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften
    Die festen Formen vor.

    Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen
    Zu übertreffen strebt;
    Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen,
    Und jedes Stäubchen lebt.

    Und so verdrängt mit liebevollem Streiten
    Der feuchten Qualme Nacht;
    Nun glühen schon des Paradieses Weiten
    In überbunter Pracht.

    Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,
    Gestaltenreiche Schar!
    Und ihr erstaunt auf den beglückten Auen
    Nun als das erste Paar,

    Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben
    Im sel‘gen Wechselblick.
    Und so empfangt mit Dank das schönste Leben
    Vom All ins All zurück.


    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Weltseele
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