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    Dauer im Wechsel

    Dauer im Wechsel

    Hielte diesen frühen Segen,
    Ach, nur Eine Stunde fest!
    Aber vollen Blütenregen
    Schüttelt schon der laue West.
    Soll ich mich des Grünen freuen,
    Dem ich Schatten erst verdankt?
    Bald wird Sturm auch das zerstreuen,
    Wenn es falb im Herbst geschwankt.

    Willst du nach den Früchten greifen,
    Eilig nimm dein Teil davon!
    Diese fangen an zu reifen,
    Und die andern keimen schon.
    Gleich mit jedem Regengusse
    Ändert sich dein holdes Tal,
    Ach, und in demselben Flusse
    Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.

    Du nun selbst! Was felsenfeste
    Sich vor dir hervorgetan,
    Mauern siehst du, siehst Paläste
    Stets mit andern Augen an.
    Weggeschwunden ist die Lippe,
    Die im Kusse sonst genas,
    Jener Fuß, der an der Klippe
    Sich mit Gemsenfreche maß.

    Jene Hand, die gern und milde
    Sich bewegte wohlzutun,
    Das gegliederte Gebilde,
    Alles ist ein Andres nun.
    Und was sich an jener Stelle
    Nun mit deinem Namen nennt,
    Kam herbei wie eine Welle,
    Und so eilt‘s zum Element.

    Laß den Anfang mit dem Ende
    Sich in eins zusammen ziehn,
    Schneller als die Gegenstände
    Selber dich vorüberfliehn.
    Danke, daß die Gunst der Musen
    Unvergängliches verheißt:
    Den Gehalt in deinem Busen
    Und die Form in deinem Geist.


    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Dauer im Wechsel
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