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    Harfenspieler
    Aus Wilhelm Meister
    Harfenspieler *)

    (1)
    Wer sich der Einsamkeit ergibt,
    Ach, der ist bald allein;
    Ein jeder lebt, ein jeder liebt,
    Und läßt ihn seiner Pein.

    Ja, laßt mich meiner Qual!
    Und kann ich nur einmal
    Recht einsam sein,
    Dann bin ich nicht allein.

    Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
    Ob seine Freundin allein:
    So überschleicht bei Tag und Nacht
    Mich Einsamen die Pein,
    Mich Einsamen die Qual.
    Ach werd‘ ich erst einmal
    Einsam im Grabe sein,
    Da läßt sie mich allein"

    (2)
    An die Türen will ich schleichen,
    Still und sittsam will ich stehn;
    Fromme Hand wird Nahrung reichen,
    Und ich werde weiter gehn.

    Jeder wird sich glücklich scheinen,
    Wenn mein Bild vor ihm erscheint;
    Eine Träne wird er weinen,
    Und ich weiß nicht, was er weint

    (3)
    Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
    Wer nie die kummervollen Nächte
    Auf seinem Bette weinend saß,
    Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!

    Ihr führt ins Leben uns hinein,
    Ihr laßt den Armen schuldig werden,
    Dann überlaßt ihr ihn der Pein:  —  
    Denn alle Schuld rächt sich auf Erden


    *)
    Der Sprößling einer italienischen Adelsfamilie zieht, von schwerem Seelenleiden gedrückt, als Harfenspieler umher.
    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Harfenspieler
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