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    Die wandelnde Glocke
    Die wandelnde Glocke

    Es war ein Kind, das wollte nie
    Zur Kirche sich bequemen,
    Und onntags fand es stets ein Wie,
    Den Weg ins Feld zu nehmen.

    Die Mutter sprach: Die Glocke tönt,
    Und so ist dir‘s befohlen,
    Und hast du dich nicht hingewöhnt,
    Sie kommt und wird dich holen.

    Das Kind, es denkt: die Glocke hängt
    Da droben auf dem Stuhle.
    Schon hat‘s den Weg ins Feld gelenkt,
    Als lief‘ es aus der Schule.

    Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr,
    Die Mutter hat gefackelt.
    Doch welch ein Schrecken! hinterher
    Die Glocke kommt gewackelt.

    Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum;
    Das arme Kind im Schrecken
    Es läuft, es kommt als wie im Traum;
    Die Glocke wird es decken.

    Doch nimmt es richtig seinen Husch
    Und mit gewandter Schnelle
    Eilt es durch Anger, Feld und Busch
    Zur Kirche, zur Kapelle.

    Und jeden Sonn- und Feiertag
    Gedenkt es an den Schaden,
    Läßt durch den ersten Glockenschlag,
    Nicht in Person sich laden


    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Die wandelnde Glocke
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