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    Zueignung des „Faust”
    Zueignung des „Faust”

    Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!
    Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
    Versuch‘ ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
    Fühl‘ ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
    Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
    Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
    Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
    Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

    Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
    Und manche liebe Schatten steigen auf;
    Gleich einer alten, halbverklungnen Sage,
    Kommt erste Lieb‘ und Freundschaft mit herauf;
    Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
    Des Lebens labyrinthisch irren Lauf,
    Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden
    Vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.

    Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
    Die Seelen, denen ich die ersten sang;
    Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
    Verklungen, ach! der erste Widerklang.
    Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,
    Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,
    Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
    Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

    Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
    Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich;
    Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
    Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich,
    Ein Schauer faßt mich, Träne folgt den Tränen;
    Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich.
    Was ich besitze, seh‘ ich wie im Weiten,
    Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.


    Vor der ersten Ausgabe von 1807, gedichtet 1797, als Goethe die Faustdichtung nach langer Unterbrechung wieder aufnahm.
    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Zueignung des „Faust”
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