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    Grenzen der Menschheit

    Grenzen der Menschheit

    Wenn der uralte
    Heilige Vater
    Mit gelassener Hand
    Aus rollenden Wolken
    Segnende Blitze
    Über die Erde sä‘t,
    Küß‘ ich den letzten
    Saum seines Kleides,
    Kindliche Schauer
    Treu in der Brust.

    Denn mit Göttern
    Soll sich nicht messen
    Irgendein Mensch
    Hebt er sich aufwärts
    Und berührt
    Mit dem Scheitel die Sterne,
    Nirgends haften dann
    Die unsichern Sohlen,
    Und mit ihm spielen
    Wolken und Winde.

    Steht er mit festen,
    Markigen Knochen
    Auf der wohlgegründeten
    Dauernden Erde:
    Reicht er nicht auf,
    Nur mit der Eiche
    Oder der Rebe
    Sich zu vergleichen.

    Was unterscheidet
    Götter von Menschen?
    Daß viele Wellen
    Vor jenen wandeln,
    Ein ewiger Strom;
    Uns hebt die Welle,
    Verschlingt die Welle,
    Und wir versinken.

    Ein kleiner Ring
    Begrenzt unser Leben,
    Und viele Geschlechter
    Reihen sich dauernd
    An ihres Daseins
    Unendliche Kette


    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Grenzen der Menschheit
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