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    Aufzug der vier Weltalter

    Aufzug der vier Weltalter

    Das goldne Alter
    (begleitet von der Freude und der Unschuld)

    Sanft, wie ein Morgentraum, schreit‘ ich hervor,
    Mich kennt der Mensch nicht eh‘ er mich verlor.
    Der Jugend Schöne und der Blüten Zeit
    Des Herzens Erstlinge sind mir geweiht.

    Das silberne Alter
    (begleitet von der Fruchtbarkeit, den Gaben des Geistes und der geselligen Fröhlichkeit).

    Was tief verborgen ruht, ruf‘ ich hervor;
    Ich gebe zwiefach was der Mensch verlor.
    Durch Kunst gepflegt wird nur in meinem Schoß
    Das Schöne prächtig und das Gute groß.

    Das eherne Alter
    (begleitet von der Sorge, dem Stolz, und dem Geize)

    An Herrlichkeit bin ich den Göttern gleich,
    Das Große nur zu ehren, steht mein Reich;
    Das Treffliche drängt sich zu meinem Thron,
    Und Ehr‘ und Reichtum spenden Glück und Lohn.

    Das eiserne Alter
    (begleitet von der Gewalttätigkeit).

    Gewalt und Macht sind mir allein verliehn;
    Ich schreite über hoch und niedrig hin!
    Unschuld und Fröhlichkeit wird mir zum Raub,
    Reichthum und Gaben tret‘ ich in den Staub.

    Die Zeit
    Ich führ‘ euch an. Mir leise nachzugehn
    Kann auch das Mächtigste nicht widerstehn.
    Der Strom der Wut versiegt in seinem Lauf,
    Und Freud‘ und Unschuld führ‘ ich wieder auf.


    Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
    Titel: Aufzug der vier Weltalter
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