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    Nächtliche Käsediebe

    Nächtliche Käsediebe

    Zwei Mäuse machten sich's zur Sitte,
    liefen durch des Rohres Mitte
    zu der großen Speicherhalle,
    hinter Feldern und dem Walle,
    um sich Käse dort zu holen
    von dem alten Bauern Bohlen.

    Mit dem Käse in der Hand
    ging er leis' von Wand zu Wand,
    um die Fallen zu bestücken,
    drum tat weh ihm schon der Rücken,
    tat's der Mäuseplage wegen,
    hoffte auf Erfolg und Segen.

    Viele dieser konnte er fangen,
    doch dem Bauern ist entgangen,
    daß zwei Mäuse waren sehr schlau.
    Besahen die Falle sich genau,
    sah'n wie Mäuse kamen gekrochen,
    die den Käse von weitem rochen,
    wie die Falle war am Schnappen,
    als sie kriegen wollten den Happen.
    Niemals wollten sie so sterben,
    wollten gern ihr Wissen vererben
    an die ganze Mäuseschar,
    und das ständig – Jahr für Jahr.

    Schleppten Steine auf einen Haufen,
    waren am Rennen und am Laufen,
    suchten sich dann eine Schnur,
    wollten einfach üben nur,
    banden diese an einen Stein,
    schwups ging's in die Falle rein.
    Ja, es ist zum Glück gelungen,
    der Käse ist der Falle entsprungen,
    schnappten ihn gleich auf der Stelle,
    die Nacht verging – es wurde helle.

    Unter den Mäusen sprach es sich herum,
    daß Mäuse schlau sind und nicht dumm,
    wollten dieses auch beweisen,
    bauten Tunnel und auch Schneisen,
    schleppten Steine in gleicher Weise,
    banden und warfen alles ganz leise
    auf die Fallen an der Wand,
    waren außer Rand und Band,
    hatten sie doch nie vorher
    so viel Käse zum Verzehr.

    Als der Bauer kam am Morgen,
    blieb die Tat nicht lang verborgen,
    sah die Fallen ohne Beute.
    „Was ist bloß los mit denen heute?“,
    brummelte er so vor sich hin,
    ganz verdattert war sein Sinn,
    rief um Hilfe in der Not,
    weil nicht eine Maus war tot.

    Der Bauer lief ins Dorf hinein,
    war am jammern und am schrei'n,
    flehte beim Bürgermeister benommen:
    „Man hat mir meinen Käs' genommen,
    die Biester werden immer dreister,
    helfen Sie bitte, Herr Bürgermeister!“

    „Wer hat Dir denn den Käs' gestohlen,
    lieber guter Bauer Bohlen?“
    „Die Mäuse droben in der Halle,
    die waren es auf jeden Falle!“
    „Bleibe ruhig und ganz stille,
    denn es ist des Menschen Wille,
    daß er Mäuse kann besiegen,
    und auch Deine wird er kriegen!“

    Als die Nacht dann brach herein,
    und der Mond schien klar und rein,
    wollten die vom Dorf erkunden,
    wer denn stiehlt in nächtlich' Stunden
    Bohlens Käse aus den Fallen
    in den großen Speicherhallen.

    Heimlich wollten sie erfahren,
    wer die Diebe wirklich waren,
    doch die Mäuse waren schlau,
    merkten dieses ganz genau,
    blieben still in den Verstecken,
    die Dörfler hüllten sich in Decken,
    starrten schläfrig in der Nacht umher,
    doch kam von nirgends – ein Irgendwer.

    Die Bürgersleut' und Bauer Bohlen
    erfuhren nie, wer ihn gestohlen,
    den Käse aus den Mausefallen
    in den großen Speicherhallen.


    Autorin:
    Heidrun Gemähling
    Eschweg 5
    D-48531 Nordhorn
    Telefon 05921/32231
    eingesandt von Heidrun Gemähling
    am 31.12.2010 18:20
    eMail: info@lyrik-kriegundleben.de
    Internet: www.lyrik-kriegundleben.de

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