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    Der Mai ist gekommen
    Der Mai ist gekommen

    Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
    da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
    wie die Wolken dort wandern, am himmlischen Zelt,
    so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

    Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt'!
    Wer weiss, wo in der ferne ,ein Glück mir noch blüht!
    Es giebt so manche Strasse, da nimmer ich marschiert,
    es giebt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

    Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl!
    Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Thal!
    Die Quellen erklingen, die Bäme rauschen all',
    mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

    Und abends im Städtlein, da kehr' ich durstig ein:
    "Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
    Ergreife die Fiedel, du lust'ger Spielmann du,
    von meinem Schatz das Liedl, das sing' ich dazu."

    Und find' ich keine Herberg', so lieg ich zur Nacht
    wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht;
    im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
    es küsst in der Früh' das Morgenrot mich wach.

    O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
    da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
    da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
    Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt.


    Autor: Franz Emanuel August Geibel (1815-1884)
    Weise: Justus Wilhem Lyra
    Titel: Der Mai ist gekommen
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