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    Soldatenlied

    Soldatenlied

    Was zieht da für schreckliches Sausen,
    Wie Pfeifen durch Sturmes Wehn?
    Das wendet das Herz recht vor Grausen,
    Als sollte die Welt vergehn.

    Das Fußvolk kommt da geschritten,
    Die Trommeln wirbeln voran,
    Die Fahne in ihrer Mitten
    Weht über den grünen Plan,
    Sie prangt in schneeweißem Kleide
    Als wie eine milde Braut,
    Die gibt dem hohe Freude,
    Wen Gott ihr angetraut.
    Sie haben sie recht umschlossen,
    Dicht Mann an Mann gerückt,
    So ziehen die Kriegsgenossen
    Streng, schweigend und ungeschmückt,
    Wie Gottes dunkler Wille,
    Wie ein Gewitter schwer,
    Da wird es ringsum so stille,
    Der Tod nur blitzt hin und her.

    Wie seltsame Klänge schwingen
    Sich dort von der Waldeshöh‘!
    Ja, Hörner sind es, die singen
    Wie rasend vor Lust und Weh.

    Die jungen Jäger sich zeigen
    Dort drüben im grünen Wald,
    Bald schimmernd zwischen den Zweigen,
    Bald lauernd im Hinterhalt.
    Wohl sinkt da in ewiges Schweigen
    Manch schlanke Rittergestalt,
    Die anderen über ihn steigen,
    Hurra! in dem schönen Wald,
    Es funkelt das Blau durch die Bäume  —  
    Ach, Vater, ich komme bald!

    Trompeten nur hör‘ ich werben
    So hell durch die Frühlingsluft,
    Zur Hochzeit oder zum Sterben
    So übermächtig es ruft.

    Das sind meine lieben Reiter,
    Die rufen hinaus zur Schlacht,
    Das sind meine lustigen Reiter,
    Nun, Liebchen, gute Nacht!
    Wie wird es da vorne so heiter,
    Wie sprühet der Morgenwind,
    In den Sieg, in den Tod und weiter,
    Bis daß wir im Himmel sind!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Soldatenlied
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