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    Nachtfeier

    Nachtfeier

    Decket Schlaf die weite Runde,
    Muß ich oft am Fenster lauschen,
    Wie die Ströme unten rauschen,
    Räder sausen kühl im Grunde,
    Und mir ist so wohl zur Stunde;
    Denn hinab vom Felsenrande
    Spür‘ ich Freiheit, uralt Sehnen,
    Fromm zerbrechend alle Bande,
    Über Wälder, Strom und Lande
    Keck die großen Flügel dehnen.

    Was je Großes brach die Schranken,
    Seh‘ ich durch die Stille gehen,
    Helden auf den Wolken stehen,
    Ernsten Blickes, ohne Wanken,
    Und es wollen die Gedanken
    Mit den guten Alten hausen,
    Sich in ihr Gespräch vermischen,
    Das da kommt in Waldesbrausen.
    Manchem füllt‘s die Brust mit Grausen,
    Mich soll‘s laben und erfrischen!

    Tag und Regung war entflohen,
    Übern See nur kam Geläute
    Durch die mondenhelle Weite,
    Und rings brannten auf den hohen
    Alpen still die bleichen Lohen,
    Ew‘ge Wächter echter Weihe,
    Als, erhoben vom Verderben
    Und vom Jammer, da die dreie
    Einsam traten in das Freie,
    Frei zu leben und zu sterben.

    Und so wachen heute viele
    Einsam über ihrem Kummer;
    Unerquickt von falschem Schlummer,
    Aus des Wechsels wildem Spiele
    Schauend fromm nach einem Ziele.
    Durch die öde, stumme Leere
    Fühl‘ ich mich euch still verbündet;
    Ob der Tag das Recht verkehre,
    Ewig strahlt der Stern der Ehre,
    Kühn in heil‘ger Nacht entzündet.

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Nachtfeier (1810)
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