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    Bei Halle

    Bei Halle

    Da steht eine Burg überm Tale
    Und schaut in den Strom hinein,
    Das ist die fröhliche Saale,
    Das ist der Giebichenstein.

    Da hab‘ ich so oft gestanden,
    Es blühten Täler und Höh‘n,
    Und seitdem in allen Landen
    Sah ich nimmer die Welt so schön!

    Durchs Grün da Gesänge schallten,
    Von Rossen, zu Lust und Streit,
    Schauten viel schlanke Gestalten,
    Gleichwie in der Ritterzeit.

    Wir waren die fahrenden Ritter,
    Eine Burg war noch jedes Haus,
    Es schaute durchs Blumengitter
    Manch schönes Fräulein heraus.

    Das Fräulein ist alt geworden,
    Und unter Philistern umher
    Zerstreut ist der Ritterorden,
    Kennt keiner den andern mehr.

    Auf dem verfallenen Schlosse,
    Wie der Burggeist, halb im Traum,
    Steh‘ ich jetzt ohne Genossen
    Und kenne die Gegend kaum.

    Und Lieder und Lust und Schmerzen,
    Wie liegen sie nun so weit  —  
    O Jugend, wie tut im Herzen
    Mir deine Schönheit so leid

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Bei Halle (1841)
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