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    Aufbruch

    Aufbruch

    Silbern Ströme ziehen herunter,
    Blumen schwanken fern und nah,
    Ringsum regt sich‘s bunt und bunter  —  
    Lenz! bist du schon wieder da?

    „Reiter sind‘s, die blitzend ziehen,
    Wieviel glänz‘ger Ströme Lauf,
    Fahnen, liliengleich, erblühen,
    Lerchenwirbel, Trommelwirbel
    Wecken rings den Frühling auf.”

    Horch! was hör‘ ich draußen klingen
    Wild verlockend wie zur Jagd?
    Ach, das Herz möcht‘ mir zerspringen,
    Wie es jauchzt und weint und klagt.

    „Und in Waldes grünen Hallen,
    Tiefe Schauer in der Brust,
    Lassen wir die Hörner schallen,
    In das Blau die Stimmen hallen,
    So zum Schrecken wie zur Lust.”

    Wehe! dunkle Wolken decken
    Seh‘ ich all die junge Pracht,
    Feur‘ge Todeszungen strecken
    Durch die grimme Wetternacht.

    „Wettern gleich blüht Kampfesfülle,
    Blitze zieht das gute Schwert,
    Mancher wird auf ewig stille  —  
    Herr Gott, es gescheh‘ Dein Wille!
    Blast Trompeten! Frisch mein Pferd!”

    Regenbogen seh‘ ich steigen,
    Wie von Tränen sprüh‘n die Au‘,
    Jenen sich erbarmend neigen
    Über den verweinten Gau.

    „Also über Graus und Wogen,
    Hat der Vater gnadenreich
    Ein Triumphtor still gezogen.
    Wer da fällt, zieht durch den Bogen
    Heim ins ew‘ge Himmelreich.”

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Aufbruch (1813)
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