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  21. Totensonntag
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    An L

    An L

    Vor mir liegen deine Zeilen,
    Sind nicht Worte, Schriften nicht,
    Pfeile, die verwundend heilen,
    Freundesaugen, treu und schlicht.

    Niemals konnte so mich rühren
    Noch der Liebsten Angesicht,
    Wenn uns Augen süß verführen,
    Und die Welt voll Glanz und Licht:

    Als in Freundesaugen lesen
    Meiner eignen Seele Wort,
    Fester Treue männlich Wesen,
    In Betrübnis Trost und Hort.

    So verschlingen in Gedanken
    Sich zwei Stämme wundertreu,
    Andre dran sich mutig ranken
    Kron‘ an Krone immer neu.

    Prächt‘ger Wald, wo‘s kühl zu wohnen,
    Stille wachsend Baum an Baum,
    Mit den brüderlichen Kronen
    Rauschend in dem Himmelsraum!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: An L
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