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    Lied des Armen

    Lied des Armen

    Stände noch das Feld im Flore
    Wie in warmer Sommerzeit,
    Ging‘ ich aus dem dunklen Tore
    In die Waldeseinsamkeit.

    Legt‘ im tiefsten Wald mich nieder,
    Wo der Vögel Nachtquartier,
    Und es sängen ihre Lieder
    Nachtigallen über mir.

    Doch verschneiet Markt und Gassen
    Nun der böse Winter hat,
    Und ich wandre arm, verlassen,
    Durch die fremde, stille Stadt.

    Späte Gäste gleich Gespenstern
    Schlüpften da und und dort ins Haus,
    Und der Nachtwind an den Fenstern
    Löscht die letzten Lampen aus.

    Nur aus einem noch sprüht Glänzen
    Weithin in den bleichen Schnee,
    Spielen auf da drin zu Tänzen,
    Klingt hier draußen fast wie Weh,

    Und im mitternächt‘gen Sturme,
    Der am Himmel brausend zieht,
    Singt das Glockenspiel vom Turme
    Über mir ein frommes Lied.

    An dem Kirchhof die Kapelle
    Ladet mich zur müden Ruh,
    Und ich leg‘ mich auf die Schwelle,
    Und die Nacht, sie deckt mich zu.

    Wolle Gott die Stadt bewahren,
    Mild behüten Hof und Haus!  —  
    Die das tanzen, die da fahren,
    Hier doch ruhen alle aus!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Lied des Armen
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