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    Der irre Spielmann

    Der irre Spielmann

    Aus stiller Kindheit unschuldiger Hut
    Trieb mich der tolle, frevelnde Mut.
    Seit ich da draußen so frei nun bin,
    Find‘ ich nicht wieder nach Hause mich hin.

    Durchs Leben jag‘ ich manch trüg‘risch Bild,
    Wer ist der Jäger da? Wer ist das Wild?
    Es pfeift der Wind mir schneidend durchs Haar,
    Ach Welt, wie bist du so kalt und klar!

    Du frommes Kindlein im stillen Haus,
    Schau nicht so lüstern zum Fenster hinaus!
    Frag mich nicht, Kindlein, woher und wohin?
    Weiß ich doch selber nicht, wo ich bin!

    Von Sünde und Reue zerrissen die Brust,
    Wie rasend in verzweifelter Lust,
    Brech‘ ich im Fluge mir Blumen zum Strauß,
    Wird doch kein fröhlicher Kranz daraus!  —  

    Ich möcht‘ in den tiefsten Wald wohl hinein,
    Recht aus der Brust den Jammer zu schrei‘n,
    Ich möchte reiten ans Ende der Welt,
    Wo der Mond und die Sonne hinunter fällt.

    Wo schwindelnd beginnt die Ewigkeit,
    Wie ein Meer, so erschrecklich still und weit,
    Da sinken all Ström‘ und Segel hinein,
    Da wird es wohl endlich auch ruhig sein.

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Der irre Spielmann
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