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    Die Heimat
    Joseph von Eichendorff 1820 an seinen Bruder

    Die Heimat

    Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?
    Das Horn lockt nächtlich dort, als ob‘s dich riefe
    Im Abgrund grast das Reh,
    Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe   —  
    O stille, wecke mich nicht, es war als schliefe
    Da drunten ein unnennbar Weh.

    Kennst du den Garten?  —  Wenn sich Lenz erneut,
    Geht dort ein Mädchen auf den kühlen Gängen
    Still durch die Einsamkeit,
    Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,
    Als ob die Blumen und die Bäume sängen
    Rings von der alten schönen Zeit.

    Ihr Wipfel und ihr Bronnen, rauscht nur zu!
    Wohin du auch in wilder Lust magst dringen,
    Du findest nirgends Ruh,
    Erreichen wird dich das geheime Singen,  —  
    Ach, dieses Bannes zauberisches Ringen
    Entfliehen wir nimmer, ich und du!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Die Heimat (1820)
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