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    Dichterfrühling

    Dichterfrühling

    Wenn die Bäume lieblich rauschen,
    An den Bergen, an den Seen,
    Die im Sonnenscheine stehen,
    Warme Regen niederrauschen,
    Mag ich gern begeistert lauschen.
    Denn um die erfrischten Hügel
    Auf und nieder sich bewegen
    Fühl‘ ich Winde, Gottes Flügel,
    Und mir selber wachsen Flügel,
    Atm‘ ich still den neuen Segen.

    Wie der Kranke von der Schwelle
    Endlich wieder in die warme
    Luft hinausstreckt Brust und Arme,
    Und es spült des Lebens Welle
    Fort die Glieder in das Helle:
    Also kommt ein neues Leben
    Oft auf mich herab vom Himmel,
    Und ich seh vor mir mein Streben
    Licht und unvergänglich schweben
    Durch des Lebens bunt Gewimmel.

    Will erquickt nun alles prangen,
    Irrt der Dichter durch die Schatten,
    Durch die blumenreichen Matten,
    Denkt der Zeiten, die vergangen,
    Ferner Freunde voll Verlangen,
    Und es weben sich die Träume
    Wie von selbst zum Werk der Musen,
    Und rings Berge, Blumen, Bäume
    Wachsen in die heitern Räume
    Nach der Melodie im Busen.

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Dichterfrühling
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