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    Marienlied (Kirchenlied)

    Marienlied

    O Maria, meine Liebe!
    Denk‘ ich recht im Herzen dein:
    Schwindet alles Schwer‘ und Trübe,
    Und, wie heller Morgenschein,
    Dringt‘s durch Lust und ird‘schen Schmerz
    Leuchtend mir durchs ganze Herz.

    Auf des ew‘gen Bundes Bogen,
    Ernst von Glorien umblüht,
    Stehst du über Land und Wogen;
    Und ein heimlich Sehnen zieht
    Alles Leben himmelwärts
    An das große Mutterherz.

    Wo Verlass‘ne einsam weinen,
    Sorgenvoll in stiller Nacht,
    Den‘n vor allen läßt du scheinen
    Deiner Liebe milde Pracht,
    Daß ein tröstend Himmelslicht
    In die dunklen Herzen bricht.

    Aber wütet wildverkehrter
    Sünder frevelhafte Lust:
    Da durchschneiden neue Schwerter
    Dir die treue Mutterbrust;
    Und voll Schmerzen flehst du doch:
    Herr! Vergib, o schone noch!

    Deinen Jesus in den Armen,
    Übern Strom der Zeit gestellt,
    Als das himmlische Erbarmen
    Hütest du getreu die Welt,
    Daß im Sturm, der trübe weht,
    Dir kein Kind verloren geht.

    Wenn die Menschen mich verlassen
    In der letzten stillen Stund‘,
    Laß mich fest das Kreuz umfassen.
    Aus dem dunklen Erdengrund
    Leite liebreich mich hinaus,
    Mutter, in des Vaters Haus!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Marienlied
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