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    Die Lerche

    Die Lerche (1)
    Ich kann hier nicht singen,
    Aus dieser Mauern dunklen Ringen
    Muß ich mich schwingen
    Vor Lust und tiefem Weh.
    O Freude, in klarer Höh`
    Zu sinken und sich zu heben,
    In Gesang
    Über die grüne Erde dahin zu schweben,
    Wie unten die licht` und dunkeln Streifen
    Wechselnd im Fluge vorüberschweifen,
    Aus der Tiefe ein Wirren und Rauschen und Hämmern,
    Die Erde aufschimmernd im Frühlingsdämmern,
    Wie ist die Welt so voller Klang!
    Herz, was bist du bang ?
    Mußt aufwärts dringen!
    Die Sonne tritt hervor,
    Wie glänzen mir Brust und Schwingen,
    Wie still und weit ist`s droben am Himmelstor!

    Die Lerche (2)
    Ich hörte in Träumen
    Ein Rauschen gehn,
    Und sah die Wipfel sich säumen
    Von allen Höhn  —  
    Ist`s ein Brand, ist`s die Sonne?
    Ich weiß es nicht,
    Doch ein Schauer voll Wonne
    Durch die Seele bricht.
    Schon blitzt`s aus der Tiefe und schlagen
    Die Glocken und schlängelnder Ströme Lauf
    Rauscht glänend her,
    Und die glühenden Berge ragen
    Wie Inseln aus weitem dämmernden Meer.
    Noch kann ich nichts sagen,
    Beglänzt die Brust,
    Nur mit den Flügeln schlagen
    Vor großer sel`ger Luft!

    Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Titel: Die Lerche
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