Die Einsame (1)
Wenn morgens das fröhliche Licht bricht ein,
Tret‘ ich zum offenen Fensterlein,
Draußen gehn lau die Lüft‘ auf den Auen,
Singen die Lerchen schon hoch im Blauen,
Rauschen am Fenster die Bäume gar munter,
Ziehn die Brüder in den Wald hinunter:
Und bei dem Sange und Hörnerklange
Wird mir immer so bange, bange.
Wüßt‘ ich nur immer, wo du jetzo bist,
Würd‘ mir schon wohler auf kurze Frist.
Könntest du mich nur über die Berge sehen
Dein gedenkend im Garten gehen:
Dort rauschen die Brunnen jetzt alle so eigen,
Die Blumen vor Trauer im Wind sich neigen.
Ach! von den Vöglein über die Tale
Sei mir gegrüßt viel tausend Male!
Du sagtest gar oft: Wie süß und rein
Sind deine blauen Äugelein!
Jetzo müssen sie immerfort weinen,
Daß sie nicht finden mehr, was sie meinen;
Wird auch der rote Mund erblassen,
Seit du mich, süßer Buhle, verlassen.
Eh‘ du wohl denkst, kann das Blatt sich wenden,
Geht alles gar bald zu seinem Ende.
Die Einsame (2)
Wärs dunkel, ich läg‘ im Walde,
Im Walde rauscht‘s so sacht,
Mit ihrem Sternenmantel
Bedecket mich da die Nacht,
Da kommen die Bächlein gegangen:
Ob ich schon schlafen tu‘?
Ich schlaf‘ nicht, ich hör‘ noch lange
Den Nachtigallen zu,
Wenn die Wipfel über mir schwanken,
Es klinget die ganze Nacht,
Das sind im Herzen die Gedanken,
Die singen, wenn niemand wacht.
Die Einsame (3)
Im beschränkten Kreis der Hügel,
Auf des stillen Weihers Spiegel
Scheue fromme Silberschwäne;
Fassend in des Rosses Mähne
Mit dem Liebsten kühn im Bügel —
Blöde Bande, mut‘ge Flügel
Sind getrennter Lieb‘ Gedanken !
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