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    Karfreitag
    von Frau Prinzessin Ernst von Arenberg, geb. Prinzessin Sophie von Auersberg

    Karfreitag
    An diesem Tag der Schauer und der schwersten Sünde,
    Wo jede Stunde Zeugnis von dem Frevel gibt,
    Da muss zerspringen selbst die starrste Herzensrinde,
    Da tönt das Trosteswort  —  : „Gott alle Menschen liebt.”
    Zum Himmel Tausende erheben ihre Blicke,
    Gerettet von der ew‘gen Höllenstrafe Pein,
    Zerknirscht sie niederknie‘n, kaum ahnend die Geschicke,
    Die ohne Christi Tod ihr Anteil würden sein.
    Der große Tag, den alle Priester feiern,
    Erschütternd, donnernd von der Kanzel niederrufen,
    Im Drang, des Volks Bewusstseit zu entschleiern,
    Der zwingt das Volk, zu knie‘n an des Altares Stufen.
    Millionen Zungen sollen Gott da loben,
    Millionen Herzen fassen Seine Qual,
    Sie sollen flehen um das Licht von oben,
    Erlöset sind durch Gottes Sohn sie all‘.
    Wer kann die wunderbare Liebestat erfassen,
    Die dieser Tag der Erde hat gebracht,
    Wer wird erschüttert nicht in heil‘ger Scheu erblassen,
    Bedenket er des Gottessohnes Macht?
    Mit einem Mal das Licht der Sonne ward verdunkelt,
    Hereingebrochen ist die schaurig schwarze Nacht,
    Kein einzig Sternlein hat am Himmel mehr gefunkelt,
    Die Menge floh, die erst mit Spott den Herrn verlacht.
    Ein dumpfes Dröhnen, Beben, Zittern in der Erde,
    Und offen gähnend standen tiefe Klüfte da,
    Damit der Elemente Toben Zeugnis werde,
    Daß jetzt der Augenblick der Glaubenswahrheit nah‘.
    In dem Moment vom Grab sind Tote auferstanden,
    Von oben ab der Tempelvorhang riss entzwei,
    Da war‘s,  —   daß viele plötzlich ihren Glauben fanden,
    Gebrochen war der Hölle Macht dann und vorbei.


    Autor: Frau Prinzessin Ernst von Arenberg (1811-1901)
    Titel: Karfreitag (23. März 1894)
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